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Zielkonflikte erschweren Weiterentwicklung von Tierwohl und Umweltschutz

Hinsichtlich der zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Anforderungen zum Tierwohl und Umweltschutz sitzen viele Geflügelhalter zwischen den Stühlen. Das ist beim zweiten Zukunftsforum des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) deutlich geworden, bei dem gestern die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit diskutiert wurden.

Hinsichtlich der zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Anforderungen zum Tierwohl und Umweltschutz sitzen viele Geflügelhalter zwischen den Stühlen. Das ist beim zweiten Zukunftsforum des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) deutlich geworden, bei dem gestern die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit diskutiert wurden. Die Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Putenerzeuger (VDP), Bettina Gräfin von Spee, stellte dabei klar, dass die Landwirte ein großes Interesse an der technischen Weiterentwicklung ihrer Ställe für mehr Tierwohl und weniger Emissionen hätten.

Nach ihrer Auffassung und der des Hähnchenmästers Thomas Korte müssen sich die Tierhalter heute allerdings mit etlichen Zielkonflikten auseinandersetzen. So sei die Offen- oder Außenhaltung zwar ein Fortschritt für das Wohlbefinden der Tiere, gleichzeitig entstünden hierdurch aber zwangsläufig mehr Emissionen als in geschlossenen Ställen mit Abluftfilterung. Die gesellschaftlich gewünschte Abkehr von Hochleistungsrassen und Importsoja gehe einher mit geringeren Zunahmen und einem höheren Futterbedarf, erläuterte Korte, der angesichts solcher Dilemmata nicht sicher ist, ob seine Kinder den Betrieb übernehmen sollten.

Der Emissionsexperte Prof. Jörg Oldenburg hält derartige Umstellungen der deutschen Geflügelproduktion durchaus für machbar, wies seinerseits auf weitere Folgeeffekte hin. Nach seiner Einschätzung ließe sich die Eiweißversorgung der Geflügelproduktion mit deutschen Herkünften durchaus decken. Dann müsse man aber zwangsläufig hierzulande mit der Verdrängung anderer Kulturen rechnen, die dann anderenorts fehlten.

Oldenburg wollte auch nicht den Vorwurf stehen lassen, größere Ställe seien automatisch schlechter als kleine. Der Eiweißbedarf großer Haltungen sei beispielsweise pro Tier oft niedriger als in kleinen Betrieben, betonte der Fachmann. Nach seiner Überzeugung müssen sich auch Kritiker der heutigen Geflügelproduktion der Tatsache stellen, dass eine extensive Haltung nicht mit weniger Futter- beziehungsweise Proteinbedarf zu haben ist.

Für die österreichische Grünen-Politikerin Sarah Wiener führt an einem Umbau der Tierhaltung dennoch kein Weg vorbei. Sie setzt aber nicht erst bei der Fütterung und Haltung an, sondern fordert auch ein Umdenken bei der Zucht. Diese müsse vielfältiger werden und auf robustere Typen setzen, forderte die Ökobäuerin. Die damit verbundenen höheren Kosten sind ihr zufolge berechtigt. Ohnehin seien die Preise der konventionellen Erzeugung nicht realistisch, da viele Kosten wie Umweltfolgen externalisiert seien, so Wiener.

Zumindest bei der Proteinversorgung sehen von Spee und Korte aber Ansätze für eine ökologisch und wirtschaftlich verträgliche Abkehr vom Sojaschrot. Sie warben für die Wiederzulassung von Schlachtnebenprodukten, die aufgrund ihrer hochwertigen Zusammensetzung erheblich zur Deckung des Eiweißbedarfs in der Geflügelhaltung beitragen könnten, ohne dass weitere Flächen im In- oder Ausland beansprucht werden müssten. Auch der Einsatz von Insektenprotein sei eine sinnvolle Alternative. AgE

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Zielkonflikte erschweren Weiterentwicklung von Tierwohl und Umweltschutz

Hinsichtlich der zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Anforderungen zum Tierwohl und Umweltschutz sitzen viele Geflügelhalter zwischen den Stühlen. Das ist beim zweiten Zukunftsforum des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) deutlich geworden, bei dem gestern die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit diskutiert wurden.

Hinsichtlich der zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Anforderungen zum Tierwohl und Umweltschutz sitzen viele Geflügelhalter zwischen den Stühlen. Das ist beim zweiten Zukunftsforum des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) deutlich geworden, bei dem gestern die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit diskutiert wurden. Die Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Putenerzeuger (VDP), Bettina Gräfin von Spee, stellte dabei klar, dass die Landwirte ein großes Interesse an der technischen Weiterentwicklung ihrer Ställe für mehr Tierwohl und weniger Emissionen hätten.

Nach ihrer Auffassung und der des Hähnchenmästers Thomas Korte müssen sich die Tierhalter heute allerdings mit etlichen Zielkonflikten auseinandersetzen. So sei die Offen- oder Außenhaltung zwar ein Fortschritt für das Wohlbefinden der Tiere, gleichzeitig entstünden hierdurch aber zwangsläufig mehr Emissionen als in geschlossenen Ställen mit Abluftfilterung. Die gesellschaftlich gewünschte Abkehr von Hochleistungsrassen und Importsoja gehe einher mit geringeren Zunahmen und einem höheren Futterbedarf, erläuterte Korte, der angesichts solcher Dilemmata nicht sicher ist, ob seine Kinder den Betrieb übernehmen sollten.

Der Emissionsexperte Prof. Jörg Oldenburg hält derartige Umstellungen der deutschen Geflügelproduktion durchaus für machbar, wies seinerseits auf weitere Folgeeffekte hin. Nach seiner Einschätzung ließe sich die Eiweißversorgung der Geflügelproduktion mit deutschen Herkünften durchaus decken. Dann müsse man aber zwangsläufig hierzulande mit der Verdrängung anderer Kulturen rechnen, die dann anderenorts fehlten.

Oldenburg wollte auch nicht den Vorwurf stehen lassen, größere Ställe seien automatisch schlechter als kleine. Der Eiweißbedarf großer Haltungen sei beispielsweise pro Tier oft niedriger als in kleinen Betrieben, betonte der Fachmann. Nach seiner Überzeugung müssen sich auch Kritiker der heutigen Geflügelproduktion der Tatsache stellen, dass eine extensive Haltung nicht mit weniger Futter- beziehungsweise Proteinbedarf zu haben ist.

Für die österreichische Grünen-Politikerin Sarah Wiener führt an einem Umbau der Tierhaltung dennoch kein Weg vorbei. Sie setzt aber nicht erst bei der Fütterung und Haltung an, sondern fordert auch ein Umdenken bei der Zucht. Diese müsse vielfältiger werden und auf robustere Typen setzen, forderte die Ökobäuerin. Die damit verbundenen höheren Kosten sind ihr zufolge berechtigt. Ohnehin seien die Preise der konventionellen Erzeugung nicht realistisch, da viele Kosten wie Umweltfolgen externalisiert seien, so Wiener.

Zumindest bei der Proteinversorgung sehen von Spee und Korte aber Ansätze für eine ökologisch und wirtschaftlich verträgliche Abkehr vom Sojaschrot. Sie warben für die Wiederzulassung von Schlachtnebenprodukten, die aufgrund ihrer hochwertigen Zusammensetzung erheblich zur Deckung des Eiweißbedarfs in der Geflügelhaltung beitragen könnten, ohne dass weitere Flächen im In- oder Ausland beansprucht werden müssten. Auch der Einsatz von Insektenprotein sei eine sinnvolle Alternative. AgE